Schloss und Schlossgarten Schwetzingen

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen

Im baden-württembergischen Schwetzingen finden Besucher die Sommerresidenz des kurpfälzischen Hofes mit seiner einmaligen Gartenanlage. Doch was macht dieses Schloss so besonders; warum ist der Garten sehenswert?

Wir zeigen dir mit diesem Artikel alles was wissenswert ist, rund um dieses opulente Bauwerk im Stile des Barocks, was die einzelnen Gartenanlagen auszeichnet und was man anschauen sollte, wenn man in der Nähe ist.

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Geschichte

Wie bei vielen ähnlichen Bauwerken auch, gibt es über das genaue Erbauungsdatum des Schlosses oder die Errichtung des Gartens keine Unterlagen. Aber eine erste Erwähnung lässt uns wissen, dass bereits 1350 eine Feste in Form eines mittelalterlichen Wasserschlosses an dieser Stelle stand. Seit Anfang des 15. Jahrhunderts befand sich dieses in Besitz des Kurfürsten Ludwig des III., der es mehrfach umbauen und verändern lies. Doch der Dreißigjährige Krieg schließlich wurde dem Prachtbau zum Verhängnis: das Jagdschloss wurde fast vollständig zerstört.

Kurfürst Karl Ludwig ist es zu verdanken, dass das Schloss wieder aufgebaut wurde, da er dies für seine Geliebte, Luise von Degenfeld, in Auftrag gab. Leider war das Bauwerk abermals dem Tode geweiht – hatte der Pfälzische Erbfolgkrieg doch eine Zerstörung bis zu den Grundmauern zur Folge.

Erst Kurfürst Johann Wilhelm konnte die jetzige Form des Schlosses herstellen lassen – und zwar unter der Leitung von Graf Matteo Alberti und dem Baumeister Johann Adam Breunig. Es erhielt dabei seine großen Flügelbauten, die im 17. Jahrhundert entstanden. Der Garten bekam in diesem Zusammenhang seine jetzige Größe von rund 70 Hektar, und die Bestimmung des Schlosses wandelte sich in eine Sommerresidenz der Kurfürsten, die von Mannheimer Hofe aus hier die warme Jahreszeit verbrachten.

In der Zwischenzeit hat das Schloss einige verschiedenste Zwecke beherbergt: so war es großherzogliches Gästehaus, Blindenanstalt und Lazarett sowie Finanzamt. Glücklicherweise wurden immer wieder Sanierungsarbeiten in Auftrag gegeben, die die Bausubstanz erhielten. Seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts wird das Schloss als Museum genutzt, wobei einige der wertvollen Stücke von Alliierten entwendet wurden. Erst 1991 wurde es neu eingerichtet, wobei man sich an die Vorlagen aus dem 18. und 19. Jahrhundert hielt.

Heute zählt das Schloss mit seiner Anlage zu den begehrtesten Sehenswürdigkeiten der Gegend und steht unter der Betreuung „Staatlicher Schlösser und Gärten Baden-Württembergs“. Führungen zeigen den Gästen Schloss und Theater in seinem historischen Gewand, während der Garten gegen Eintritt jederzeit besichtigt werden kann.

2007 wurde der Antrag gestellt, die Anlage zum UNESCO Weltkulturerbe zu erklären, wozu auch noch der Schlossplatz, das Ysenburgsche Palais sowie die Sichtachse der Carl-Theodor- und der Lindenstraße gehören. Ein negatives Votum des ICOMOS führte dazu, dass der Antrag zurückgenommen werden musste.

Einen Neuantrag gab es im Jahre 2010. Leider wurde auch dieser abschlägig beschieden, hauptsächlich mit der Begründung, dass es bereits eine Vielzahl ähnlicher Bauten auf der Weltkulturerbeliste gäbe. Es wurde Schwetzingen keine besondere Ausnahmestellung zuerkannt. Ob es eine neuerliche Antragstellung geben wird, ist derzeit nicht bekannt.

Ein Teil der Anlage wird von der Fachhochschule Schwetzingen genutzt, wobei dies momentan wegen Sanierungsarbeiten nicht möglich ist, und der Studienbetrieb ausgelagert wurde.

Das Schloss

Das Schloss Schwetzingen gehört mit seinem Garten und der historischen Altstadt zu einem sehenswerten Ensemble. In seiner heutigen Form im 18. Jahrhundert errichtet, kann es mit einer typischen Architektur aufwarten, wunderbaren Innenräumen und dem historischen Theater.

Architektur

Die dreiflügelige Anlage des Schlosses, die auf einen Erweiterungsbau von Kurfürst Johann Wilhelm zurückgeht, ist ganz im Stil des symmetrischen Barocks errichtet. Dazu passt der barocke Garten mit geometrisch angelegten Beeten und der Orangerie.

Während die Appartements der Herrschaften und ihrer Gäste in den Obergeschossen platziert waren, sind Schlosskapelle, Festsäle und Hoftheater in separaten Gebäuden untergebracht. In den sogenannten Ehrenhofflügeln, die später angebaut wurden, brachten die Kurfürsten ihre Bediensteten unter.

Den zwei aus dem 18. Jahrhundert stammenden Zirkelbauten sollten noch zwei weitere folgen. Dies wurde aber vom damaligen Kurfürst aus Geldmangel verworfen.

Das Hauptgebäude vom Schloss Schwetzingen

Innenräume

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Innenausstattung erneuert. Die alten Möbel und Ausstattungen verschwanden teilweise, und wurden durch gerade, schlichte Holzmöbel ersetzt, die zur Zeit des Biedermeiers „in“ waren. Besonderheiten jeder Zeit waren die Papiertapeten, die Landschaftsbilder zeigten. Sie sind glücklicherweise erhalten und heute sehr kostbar.

Das Theater

Das Rokoko-Theater, welches sich im Zirkelbau des Schlosses befindet, wurde im 18. Jahrhundert errichtet. Die elegant geschwungene Fassade ist noch heute die Einladung an die Gäste, sich im Meisterwerk von Nicolas de Pigage umzusehen. Zunächst blumig und farbig im Stil des Rokokos ausgestattet, wurde das Theater später frühklassizistisch und eher in Grautönen umgewandelt. Im original erhaltenen Zuschauerraum befindet sich die Bestuhlung von 1937, während die angrenzenden Säle als Foyer und Wandelhalle dienen.

Als ältestes erhaltenes Rangtheater in Europa hat es noch heute eine herausragende Akustik. Die 35 Meter lange Bühne kann vergrößert werden, wobei durch die Öffnung eines Tores der Schlossgarten einbezogen wird.

Noch heute gibt es hier Besonderheiten, wie das seit 1952 stattfindende Festspiel des WDR, das größte klassische Radio-Festival der Welt.

Der Garten

Die Gartenanlage, die zu den beeindruckendsten ihrer Art in Europa zählt, entstammt hauptsächlich dem 18. Jahrhundert. Die Verbindung von geometrischen und landschaftlichen Stilen gilt als Meisterwerk der Gartenkunst.

Die Anfänge des Gartens gehen auf die Bemühungen von Kurfürst Carl Philipp zurück, als dieser 1731 die Residenz zum Jagdschloss ausbauen lies. Da er exotische Pflanzen verehrte, wurde die Orangerie erbaut, die mitsamt allen gärtnerischen Anlagen weitere Modernisierungen durch Kurfürst Carl Theodor erfuhr. Die Hauptachse erstreckt sich vom Schloss aus in Richtung Westen.

Der „Garten der Vernunft“, so wird ein Teil des Parks bezeichnet, beinhaltet Minervatempel, Merkurtempel, Moschee, Apollotempel, Tempel der Botanik sowie das römische Wasserkastell und das Arboretum.

Englischer Garten

Eine der Besonderheiten ist der Englische Garten, der einer der ersten seiner Zeit in Deutschland war. Auf Kosten des Kurfürsten wurde der Gartenkünstler Friedrich Ludwig von Sckell eigens dafür in England ausgebildet.

In der Folge legte er den Englischen Garten um den Barockgarten herum an. Wege schlängeln sich hindurch und zeigen die damals neue Art des Gartens. Neu waren auch der Baumlehrgarten und das Arborium. Dazu gehören der Tempel der Botanik und das Römische Wasserkastell mit Aquädukt. Besonderes ersterer, im Äußeren mit einem Imitat von Eichenrinde überzogen, ist ein sehenswerter Rundbau, der so kaum ein zweites Mal zu finden sein dürfte.

Das als Ruine erbaute Aquädukt leitet Wasser zu einem Wasserkastell, wo es als kleiner Wasserfall in den Weiher mündet.

Außerdem beherbergt die Ruine eine Aussichtsplattform, die gern von den Besuchern genutzt wird. Pyramidenpappeln, die Zypressen ähneln, erinnern an italienische Landschaften.

Französischer Garten

Vor dem Schloss ist der französische Barockgarten mit seinen geometrischen Formen das Highlight. Schnurgerade Kanten und Grenzen liegen zwischen Wegen und Blumenrabatten. Der Arionbrunnen ist hier zu finden, der Große Weiher und die Hirschgruppe, die neben geformten Heckenanlagen zu sehen ist. Skulpturen unterbrechen die natürliche Optik und bilden den Gegensatz zu den schattigen Wäldchen, die hier ebenfalls zu finden sind.

Vom französischen Garten aus kann man bis zum Königstuhl im Odenwald und dem Kalmit im Pfälzerwald blicken.

Orangerie

Die „Alte Orangerie“ war zunächst zu Beginn des 18. Jahrhunderts errichtet worden. Sie wurde abgerissen und es ist zwischen 1761 und 1763 die „Neue Orangerie“ nördlich der Mittelachse erbaut worden. Auf Schautafeln wird den Gästen nähergebracht, welche exotischen Pflanzen am zu dieser Zeit am kurfürstlichen Hof schätzte. Oleander und Granatapfel sind nur Beispiele dafür. Die heute in der Orangerie befindliche Ausstellung kann bei Eintritt in den Schlossgarten mit besucht werden.

Arboretum

Eine Besonderheit ist das ummauerte Arboretum, ein intimer Teil des Gartens, der vom Kurfürsten nur für ausgewählte Gäste geöffnet wurde. Hier findet man ein kleines Tal mit Wiesen, einem Wasserlauf und hohen Bäumen, welches noch heute für Abgeschiedenheit und Ruhe steht.

Im Zentrum steht das Badehaus, indem der Kurfürst musizieren und studieren konnte, und welches heute noch durch seine Räume und die ovale Brunnenanlage überrascht.

Angelegt wurde dieser Teil 1802 mit vorwiegend exotischen Gehölzen, und mit einem kunstvoll geschmiedeten, vergoldeten Tor abgeriegelt. Früher gab es hier eine Fasanerie mit Tiergehegen.

See

Wer den Schlossgarten betritt, sieht sofort das Gewässer, welches einem ummauerten Bassin folgte, welches 1823 umgewandelt worden war. Kopien von in der Orangerie zu besichtigten Originalen stehen am See: Skulpturen von Flussgöttern Rhein und Donau.

Zwei Wasserwerke speisen die Gewässer des Parks. Der Leimbach ist der Antrieb der Mühlenräder, wobei die Fontänen mit Grundwasser gespeist werden.

Man muss aber nicht in einem Schloss wohnen, um sich über Wasser im eigenen Garten freuen zu können! Hier haben wir alle Infos zu den Themen Teichbecken, Fertigteich, Hochteich und Schwimmteich zusammengetragen.

Bauten der Anlage

Viele verschiedene Bauten ergänzen die Anlage des Schwetzinger Schlosses und seines Parks. Eines davon ist der Merkurtempel, der aus dem späten 18. Jahrhundert stammt. Die Sandsteinblöcke des Unterbaus könnten einem Vorgängerbauwerk entstammen. Da vom Obergeschoss aus der Blick über den See besonders beliebt ist, kommt der Anlage die Funktion eines Aussichtspunktes zu.

Der Minervatempel ist ein weiteres Bauwerk im Garten des Schlosses. Seine Vollendung wird auf das Jahr 1769 datiert.

Auch der Apollotempel und der Tempel der Waldbotanik sind Bauwerke aus dem 18. Jahrhundert, die heute noch besichtigt werden können. Und das Badhaus ist ein kleines Lusthaus nach Vorlage einer italienischen Villa.

Nicht unerwähnt bleiben soll das „Perspektiv“, ein Laubengang, der die Hauptachse zwischen Badhausgarten und Norden bildet.

Die Rote Moschee vom Schlossgarten Schwetzingen

Die Moschee aus dem späten 18. Jahrhundert ist ein Gartenfolly mit ästhetischer Bedeutung, welches in Art und Größe das erste seiner Art in Deutschland war. Orientalische Ornamente schmücken das Gebäude, welches von Obstgarten, Baumschule und Schlossgärtnerei umschlossen wird.

Skulpturen

Mehr als 60 Skulpturen, darunter wasserspeiende Vögel, Büsten und Brunnen befinden sich im Garten des Schlosses. Meist handelt es sich um Kopien, deren Originale teilweise im Schloss zu besichtigen sind. Nicht alle von ihnen wurden für das Schloss Schwetzingen erschaffen. Einige sind auch zugekauft worden und standen zunächst beispielsweise in Lunéville.

Das Schloss und den Schlossgarten in Schwetzingen besuchen

Wer in Schwetzingen oder der Umgebung zu Gast ist, sollte es nicht versäumen, den Park und das Schloss zu besuchen.

Anfahrt

Wer mit dem Zug anreist, kann vom Bahnhof mit einem etwa 10minütigem Fußmarsch am Schloss eintreffen. Mit Straßenbahn und Bus kannst du zudem bequem von Heidelberg aus nach Schwetzingen kommen. Auf der A6 fährst du mit dem Auto aus Richtung Frankfurt in Richtig Heilbronn bzw. Stuttgart und nimmst die Abfahrt Mannheim-Schwetzingen. Andere empfehlenswerte Ausfahren von diversen Autobahnen sind Schwetzingen-Hockenheim oder Heidelberg-Schwetzingen.

Parken kann man am Alten Messeplatz in ca. 300 Meter Entfernung (kostenpflichtig).

Öffnungszeiten

Die Öffnungszeiten sind jeweils aktuell dem Internet zu entnehmen. Es gibt Führungen von „historischen“ Persönlichkeiten, wobei gegen Gebühr der Park jederzeit besichtigt werden kann.

Preise

Auch die Preise entnimmt man am besten dem Internet, wobei es Vergünstigungen in Form der Schlosscard gibt, die für verschiedene Anlagen in Baden-Württemberg gilt. Auch Gutscheinkarten kann man erwerben, um einen Ausflug in die Vergangenheit zu verschenken. Der Landesfamilienpass ermöglicht ebenfalls Eintritt in verschiedene Schlösser der Region.

FAQ

Wie erreicht man das Schloss in Schwetzingen?

Das Schloss ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln ebenso wie mit dem Auto (parken in der Nähe) zu erreichen. Auf der Internetseite des Schlosses gibt es jeweils aktuelle Informationen.

Wann wurde das Schwetzinger Schloss erbaut?

Das Schloss in seiner heutigen Form ist das Ergebnis von Bauarbeiten und Veränderungen im 17. und 18. Jahrhundert. Zahlreiche Veränderungen der Vergangenheit wurden durch Abriss zunichte gemacht und sind heute nicht mehr involviert.

Wann ist das Schloss Schwetzingen geöffnet?

Die Öffnungszeiten richten sich nach Jahreszeit und Veranstaltungen wie Führungen. Sie werden am besten aktuell der Internetpräsenz des Schlosses entnommen.

Lohnt es sich, das Schloss Schwetzingen zu besuchen?

Ein Besuch des Schlosses Schwetzingen lohnt auf alle Fälle, allein schon das Bummeln in den Parkanlagen ist sehr empfehlenswert. Hier findet jeder einen Teil, der ihm besonders gefällt und zu Ruhe und Entspannung einlädt. Es sind Broschüren vorrätig, die über Internet gelesen oder per Post zugeschickt werden können. So findet jeder eine Information über das Schloss, um selbst zu entscheiden, was ihn dort besonders interessiert.

Was kann man sich im Schloss Schwetzingen anschauen?

Der Schlossgarten mit seinen besonderen Bepflanzungen und Skulpturen, kleinen Bauwerken und mehr lädt jederzeit zu einer Besichtigung ein. Doch auch das Schloss an sich, welches in Führungen besichtigt werden kann, ist einen Besuch wert. Es gibt Standardführungen und Sonderführungen, wie „Perücke und Kostüm“ oder für Kinder und Familien. Auch Ausstellungen und Konzerte finden statt. Die „Neue Orangerie“ lädt ein, eine Dauerausstellung zu besichtigen, was mit dem Eintritt in den Garten möglich ist.

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